Kennst du das lähmende Gefühl des Getriebenseins? Der Tag beginnt, und schon wieder scheint die Zeit dir davonzulaufen. Die To-Do-Liste wird länger statt kürzer, Termine jagen sich, und dein Kopf gleicht einem Karussell aus Gedanken und Verpflichtungen. Du sehnst dich nach innerer Ruhe, doch fühlst dich wie ein Hamster im Rad – ständig in Bewegung und scheinbar auf der Stelle tretend. Abends fällst du erschöpft ins Bett, nur um am nächsten Morgen wieder in denselben Kreislauf einzusteigen. Der Wunsch nach echtem Zur-Ruhe-Kommen wird immer stärker, doch der Weg dorthin scheint versperrt von einem Berg aus Verpflichtungen und Erwartungen.
Wenn das Leben sich anfühlt wie ein endloser Sprint
Dieses Gefühl des Getriebenseins ist in unserer modernen Gesellschaft zur Normalität geworden. Wie ein unsichtbares Band zieht es uns von Aufgabe zu Aufgabe, von Termin zu Termin. Die permanente Erreichbarkeit durch Smartphones, die ständige Flut an Informationen und die gesellschaftliche Erwartung, immer produktiv sein zu müssen, haben uns von unserem natürlichen Rhythmus entfremdet.
Vielleicht kennst du einige dieser Anzeichen:
- Du wachst morgens bereits mit einem Gefühl der Anspannung auf
- Deine Gedanken kreisen ständig um unerledigte Aufgaben
- Selbst in Ruhemomenten fühlst du dich innerlich unruhig
- Du hast das Gefühl, nie genug getan zu haben
- Körperliche Symptome wie Verspannungen, Schlafstörungen oder Verdauungsprobleme häufen sich
Die verborgenen Wurzeln des Getriebenseins
Um aus diesem Kreislauf auszubrechen, ist es wichtig zu verstehen, was uns eigentlich antreibt. Oft sind es nicht nur die äußeren Umstände, die uns unter Druck setzen. Tief in uns verwurzelt finden sich Glaubenssätze und Muster, die wie ein innerer Antreiber wirken:
- „Ich muss immer perfekt sein“ – dieser Glaubenssatz lässt uns nach unerreichbarer Perfektion streben und raubt uns die Fähigkeit, auch mal „gut genug“ sein zu lassen
- „Nur wenn ich viel leiste, bin ich wertvoll“ – hier verwechseln wir unseren inneren Wert mit äußerer Leistung
- „Ich darf andere nicht enttäuschen“ – dieser Antreiber lässt uns über unsere Grenzen gehen und eigene Bedürfnisse ignorieren
- „Pause machen bedeutet Schwäche“ – ein gefährlicher Irrtum, der uns von unserer natürlichen Regenerationsfähigkeit trennt
- „Wenn ich nicht alles unter Kontrolle habe, bricht alles zusammen“ – dieser Glaubenssatz verhindert, dass wir loslassen und vertrauen können
Diese inneren Antreiber sind oft in unserer Kindheit entstanden oder durch prägende Erfahrungen gefestigt worden. Sie sind wie unsichtbare Peitschen, die uns vorwärtstreiben, auch wenn unser Körper und unsere Seele längst nach Ruhe schreien.
Der erste Schritt: Innehalten und wahrnehmen
Der Weg aus dem Getriebensein beginnt mit einem mutigen Schritt: dem Innehalten. So wie ein wild gewordenes Pferd erst zur Ruhe kommen muss, bevor es wieder auf seinen Reiter hören kann, braucht auch unser System Momente der Stille. Dies mag zunächst beängstigend erscheinen – viele Menschen fürchten sich davor, was hochkommen könnte, wenn sie zur Ruhe kommen. Doch genau wie ein aufgewühlter Teich sich von selbst klärt, wenn man aufhört, das Wasser zu bewegen, wird auch unser System klarer, wenn wir ihm Ruhe gönnen.
Geh hinaus in die Natur. Setze dich an einen stillen Ort – vielleicht unter einen Baum oder an einen Bach. Spüre ganz bewusst den Boden unter dir, die Luft auf deiner Haut, höre dem Rauschen der Blätter zu oder beobachte das fließende Wasser. Die Natur folgt ihrem eigenen, vollkommenen Rhythmus. Sie zeigt uns, dass alles seine Zeit hat – Aktivität und Ruhe, Wachstum und Rückzug. Ein Baum wächst in seinem eigenen Tempo, ein Bach findet seinen Weg ohne Hast, die Jahreszeiten folgen einander in perfekter Abstimmung.

Das Gedankenkarussell beruhigen
Wenn die Gedanken wie wilde Vögel durch deinen Kopf flattern, hilft dir vielleicht diese geführte Übung:

- Suche dir einen ruhigen Platz in der Natur oder zu Hause
- Stelle dir einen klaren Bergsee vor. Spüre die Ruhe und Klarheit, die von diesem Bild ausgeht
- Beobachte deinen Atem, wie er kommt und geht, ohne ihn zu verändern
- Mit jedem Ausatmen wird das aufgewühlte Wasser deiner Gedanken ruhiger
- Die aufsteigenden Gedanken sind wie Luftblasen, die zur Oberfläche steigen und dort sanft zerplatzen
- Du musst sie nicht festhalten. Du musst sie nicht vertreiben. Lass sie einfach ziehen
- Wenn du merkst, dass du in Gedanken versunken bist, kehre sanft zur Vorstellung des Bergsees zurück
Diese Übung kannst du für 5-15 Minuten durchführen. Mit der Zeit wirst du bemerken, wie sich die innere Unruhe zu legen beginnt und Momente tiefer Stille entstehen.
Eigene und fremde Erwartungen unterscheiden lernen
In der gewonnenen Ruhe wird es leichter, klarer zu sehen: Welche der Aufgaben, die uns belasten, haben wir uns selbst auferlegt? Welche Erwartungen kommen von außen? Und vor allem: Welche davon dienen wirklich unserem Wohl und unserer Entwicklung?
Nimm dir einen Moment Zeit für diese Reflexionsfragen. Schreibe die Antworten am besten auf:
- Was würde ich tun, wenn ich frei von allen Erwartungen wäre?
- Welche meiner täglichen Aktivitäten geben mir wirklich Energie?
- Wo sage ich „Ja“, während mein Herz „Nein“ flüstert?
- Wessen Anerkennung suche ich durch mein „Funktionieren“?
- Was würde passieren, wenn ich nicht alle Erwartungen erfülle?
- Welche drei Dinge sind mir wirklich wichtig im Leben?
Oft zeigt sich in den Antworten ein überraschendes Bild: Viele der Lasten, die wir tragen, haben wir uns selbst auferlegt. Wir leben nach verinnerlichten Maßstäben, die wir längst hinterfragen könnten.
Erste Schritte zum Abschalten
Der Weg aus dem Getriebensein ist keine Sprint, sondern eine sanfte Wanderung. Hier sind konkrete erste Schritte, die du heute noch gehen kannst:
- Schaffe dir Inseln der Stille im Alltag
- Plane täglich mindestens 5-15 Minuten bewusste Auszeit ein
- Schalte in dieser Zeit alle elektronischen Geräte aus
- Nutze Routinetätigkeiten wie Zähneputzen oder Treppensteigen für kurze Achtsamkeitsmomente
- Übe dich im sanften „Nein-Sagen“
- Führe einen „Energie-Check“ ein: Frage dich bei jeder Anfrage, ob sie dir Energie gibt oder nimmt
- Formuliere freundliche Absagen: „Danke für die Anfrage. Im Moment habe ich keine Kapazitäten dafür.“
- Erinnere dich: Ein Nein zu anderen ist oft ein Ja zu dir selbst
- Plane bewusst Pausen ein
- Blockiere dir Zeiten im Kalender nur für dich
- Nutze die natürlichen Rhythmen: Plane anspruchsvolle Aufgaben für deine Hochphasen
- Lege eine echte Mittagspause ein, weg vom Arbeitsplatz
- Suche regelmäßig die Nähe zur Natur
- Mache einen täglichen Spaziergang, auch wenn es nur 10 Minuten sind
- Beobachte bewusst die Jahreszeiten und ihre Veränderungen
- Lass dich von der Gelassenheit der Natur inspirieren


Ein neuer Weg beginnt
Bedenke: Jeder Weg beginnt mit einem ersten Schritt. Du musst nicht von heute auf morgen alles anders machen. Wichtig ist nur, dass du beginnst, auf deine innere Stimme zu hören und ihr mehr und mehr zu vertrauen. Vielleicht merkst du bereits beim Lesen, wie sich etwas in dir nach dieser anderen Art zu leben sehnt.
Die Natur zeigt uns: Nach jedem Sturm kehrt Ruhe ein. Nach jedem Winter kommt der Frühling. Diese Zyklen sind unaufhaltsam und verlässlich. Und auch in dir liegt diese natürliche Weisheit, dieser Rhythmus von Aktivität und Ruhe. Er wartet nur darauf, von dir wieder entdeckt zu werden.
Gib dir die Erlaubnis, diesen Weg der kleinen Schritte zu gehen. Jeder Moment des Innehaltens, jedes bewusste Atmen, jedes achtsame Wahrnehmen bringt dich deinem natürlichen Rhythmus ein Stück näher.
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Im nächsten Artikel erfährst du, wie du nach der gewonnenen Ruhe deinen ganz eigenen, natürlichen Rhythmus findest und ihn in deinen Alltag integrierst.